Wolfgang Schneider

Gute Nacht Freunde, es wird Zeit für mich zu geh`n...
Wolfgang Schneiders Abschied vom KCN nach Rekordauftrittszahl

Am 16. November 1985 feierte der KCN sein 25. Jubiläum. Am Ende der Veranstaltung sagte ich einen verhängnisvollen Satz zum heutigen Ehrenpräsidenten Claus Müller, mit dem ich sonst freitags Volleyball spielte: „Claus, einen solchen Quatsch mache ich manchmal auch!“ Ich konnte mir nicht vorstellen, welche Folgen dieser so leichtfertig hingesagte Satz haben sollte.
Bei der Prunksitzung 1986 hatte ich meinen ersten Auftritt: „Einer, der abnehmen will“. Das Thema hätte ich eigentlich jedes Jahr nehmen können! Es gab für mich damals zwei Vorbilder beim KCN: Egon Hessenauer, von dem ich mir das Reimen abschaute, das er wie kein zweiter beherrschte, und vor allem Rudi Maier, der mich mit seinen spontanen Witzen und seiner Originalität immer wieder begeisterte. Später hat mich immer die gesunde Konkurrenz zu Günter Gottschall angestachelt, wir hatten beide miteinander kein Problem.
Ein Jahr später trat ich zum ersten Mal mit meinem besten Freund Helmut Herb als „Hoinale un Friedale“ auf, ein weiteres Jahr später traten wir beide dann zusammen mit unseren Freunden, den „Stadischde“ im „Traum eines Bauarbeiters“ beim KCN auf. Claus Bauer, Wolfgang Seemann, Uwe Angerbauer, Reinhart Kirchmayr, Helle und ich hatten sich über unsere Kinder kennen gelernt und beim Schillerschulen-Fasching im FV-Heim erste Erfahrungen gesammelt. Eine Prunksitzung war dann doch noch eine Steigerung.
Also waren zunächst drei Auftritte pro Prunksitzung angesagt. Erster Höhepunkt war sicher die Prunksitzung 1990, bei der wir zum ersten Mal „Schädelweh“ sangen. Zwischendurch konnten wir es zwar selbst nicht mehr hören, aber wir singen es dennoch immer wieder gern. Es ist halt unser Lied. Es brachte uns auch zwei Fernsehauftritte im Jahr 1994 ein : Beim „Offenen Kanal“ in Dortmund und bei RNF in Mannheim.
Auch negative Dinge gab es: Zum einen musste ich mir nach meiner „Asylantenbütt“ völlig ungerechtfertigte Vorwürfe anhören, die z.T unter die Gürtellinie gingen, aber die Vorstandschaft des KCN und auch Bürgermeister Ernst Bauch haben sich öffentlich vor bzw. hinter mich gestellt, was mir sehr geholfen hat. Ich habe das Wägelchen im Umzug danach nicht vergessen, gezogen von Egon Hessenauer und Claus Müller. Auf ein Plakat hatten sie geschrieben: „Sache gitt`s, die`s gar net gitt, en Maulkorb für die Fastnachtsbütt!“ Ebensowenig habe ich den Leserbrief von Gerhard Rensch vergessen. Diese Reaktionen des KCN haben sicherlich dazu beigetragen, dass ich dem Verein verbunden blieb.
Worüber wir heute noch schmunzeln, ist das Auftrittsverbot für die Stadischde im Jahr 1995. Wir hatten als Thema angegben: „Der Bierprophet von Ochsenbach“. Das genügte, unseren Auftritt zu untersagen, obwohl wir noch kein Wort geschrieben hatten.
Inzwischen hatten sich die Stadischde personell verändert. Uwe Angerbauer war weggezogen, auch Claus Bauer machte nicht mehr mit, Reinhart Kirchmayr nur noch sporadisch. Deshalb holten wir 1992 einen „Märchenprinzen“ dazu, Jürgen Lingk, ein Original auf seine Art. Hossa! 1996 kam Wolfgang Herb dazu, dessen schauspielerisches Talent super ankam und der heute von den Stadischde nicht mehr wegzudenken ist. Wolfgang ist übrigens das einzige Mitglied des KCN, das dreimal den „Goldenen Mond“ erhalten hat! 2001 kam Claus Albrecht dazu, musikalisch eine absolute Verstärkung, 2006 kam „Gawadiel“ (Uwe Angerbauer) wieder zurück.
Bei uns hat immer wieder der eine oder andere aus den unterschiedlichsten Gründen gefehlt. Allerdings wären die Stadischde nicht die Stadischde, wenn es dabei keine außergewöhnlichen Dinge gegeben hätte. So fiel ein Mitglied aus, weil es sich beim Duschen verletzte, ein anderes brach sich auf dem Weg zum Pinkeln den Fuß! Der einzige, der immer dabei war, war unser „Langer“, Wolfgang Seemann.
Jahrelang gab es auch eine Fernsehshow der Stadischde, hier war auch Wolfgang Gieser aktiv. Vier Auftritte pro Prunksitzung waren sehr zeitintensiv, von der restlichen Prunksitzung hat man wenig mitbekommen. Meine Bitten, die gesamte Prunksitzung doch aufzunehmen, verhallten leider bis heute ungehört.
Jetzt ist diese schöne Zeit vorbei. Wir haben alle freiwillig den Rückzug angetreten. Die Stadischde spielen nur noch im Altenpflegeheim (angeblich schauen sich dort einige schon nach einem Platz um), Hoinale un Friedale kommen auch nicht mehr wiedale und für mich ist die Zeit jetzt auch abgelaufen. Ich muss mich nicht mehr kurzfristig hinsetzen und mir eine Büttenrede aus dem Ärmel schütteln, der Sitzungspräsident muss Tage vorher nicht mehr verzweifelt nach meinem Thema fragen, das ich frühestens drei Tage vor der Prunksitzung selbst kannte, die Prunksitzungen werden jetzt viel kürzer werden, da niemand mehr überzieht.
Ich gehe mit einem Gefühl der Dankbarkeit. Es ist mir meist gelungen, mein Publikum zu begeistern. Ich bedanke mich ganz herzlich für den vielen Applaus, den ich in all den Jahren bekommen habe. Ich bedanke mich bei allen Verantwortlichen des KCN, ganz besonders bei den Sitzungspräsidenten Gerhard Rensch, Wolfgang Gieser und Gerald Kraus und den Präsidenten Walter Knapp, Roland Neuert, Petra Silberhorn und Thomas Kretz. Die Verabschiedung durch Gerald und Thomas bei meiner letzten Prunksitzung ist mir unter die Haut gegangen...
Ich wünsche euch für die Zukunft alles Gute, ein stets ausverkauftes Haus, Stimmung bei euren sicherlich tollen Prunksitzungen. Wir sehen uns...
Lasst mich mit den Worten schließen, mit denen ich auch meine letzte Büttenrede beendet habe:

„Dreißig Jahre hatten wir zusammen viel Spaß
Vielen Dank – das war`s“

Wolfgang Schneider